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Theodor W. Adorno ArtikelTheodor Ludwig Wiesengrund-Adorno (* 11.09 1903 in Frankfurt am Main; † 6.08 1969 in Visp, Schweiz) war ein deutscher Soziologe, Philosoph, Musikwissenschaftler und Komponist.
Buch-Tipp: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. (Fischer Wissenschaft). Das Buch " Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. (Fischer Wissenschaft). " ist leider ohne Beschreibung. Klicken Sie auf den Link über diesem Text um zu der Seite des Buchhändlers zu gelangen. Beim Klicken ö ffnet sich automatich ein neues Fenster mit dem Entsprechenden Buch. | |
Theodor W. Adorno war bereits als junger Musikkritiker und noch als ordinierter Soziologe vor allem ein philosophischer Kopf. Als Komponist vermochte er aus dem Schatten seines Lehrers Alban Berg nicht herauszutreten. Die Titulierung Sozialphilosoph hebt in dem Falle Adornos auf den gesellschaftskritischen Schwerpunkt seines Philosophierens ab, dem eine nach 1945 intellektuell führende Rolle in dem Frankfurter Institut für Sozialforschung entsprach.
Die vorstehende Kurzcharakteristik hat einen Beleg in folgender Selbstbeschreibung Adornos (1965 gegenüber Max Horkheimer). Danach sei er,
- nach Herkunft und früher Entwicklung, Künstler, Musiker, doch beseelt von einem Drang zur Rechenschaft über die Kunst und ihre Möglichkeit heute, im auch Objektives sich anmelden wollte, die Ahnung von der Unzulänglichkeit naiv ästhetischen Verhaltens angesichts der gesellschaftlichen Tendenz.
Siehe auch: Portal Philosophie, Frankfurter Schule, Kritische Theorie.
Buch-Tipp: Es gibt (k)ein richtiges Leben im falschen (Bibliothek der Lebenskunst) Es gibt keine falsche Lektüre in der richtigen. . . Hörischs Reflexionen über Adornos Pessimisus, das gnostische Denken, die Lebenskunst über dem Abgrund und freilich: Adornos Optimismus gehören zu den schönsten und verständlichsten Lektüren theoretischer Literatur. Selten ist es so gut gelungen Gedanken an Lebenslust und Glück mit dem Wissen... |
Frühe Frankfurter Jahre (1903-21) | |
Die Eltern des Einzelkinds Theodor ("Teddie") waren der Weingroßhändler Oscar Alexander Wiesengrund (1870-1946, jüdischer Abstammung, zu dem Protestantismus übergetreten) und die Sängerin (und Katholikin) Maria Barbara, geb. Calvelli-Adorno (1865-1952) - daher der später gewählte Hauptname Adorno ("Wiesengrund" mit "W." abgekürzt). In dem Elternhaus wohnte auch deren ebenso musikalische Schwester Agathe. Vor allem am vierhändigen Klavierspiel beteiligte sich der Junge von klein auf mit Leidenschaft. Ein Übriges zu dem Glück der Kindheit tat die alljährliche "Sommerfrische" der Familie in Amorbach (Odenwald). Am Kaiser-Wilhelm-Gymnasium wusste das Wunderkind zu glänzen: Bereits mit 17 Jahren machte er das Abitur als "bester von allen". Neben der Schule hatte er (bei Bernhard Sekles ) Privatunterricht in Komposition genommen (1923 Aufführung eines eigenen Streichquartetts) und sich an vielen Samstagnachmittagen gemeinsam mit dem 14 Jahre älteren Freund Siegfried Kracauer in eine wissenssoziologische Lektüre von Kants "Kritik der reinen Vernunft" vertieft. "Nicht in dem leisesten übertreibe ich, wenn ich sage, dass ich dieser Lektüre mehr verdanke als meinen akademischen Lehrern." An der ebenfalls heimischen (später nach Goethe benannten) Universität (http://www.innovationsreport.de/html/profile/profil-366.html) belegte er ab 1921 Philosophie, Musikwissenschaft, Psychologie und Soziologie. Das Studium absolvierte der Frühreife zügig: Ende 1924 schloss er es mit einer Dissertation über Edmund Husserl "summa cum laude" ab. Inzwischen hatte er seine wichtigsten intellektuellen Weggefährten kennengelernt: Max Horkheimer und Walter Benjamin.
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Wiener Intermezzo (1925-26) | |
Während der Frankfurter Studienzeit hatte Adorno sich mit zahlreichen Beschreibungen als Musikkritiker versucht. Hierin sah er seine künftige Profession. Diese Absicht vor Augen, nutzte er die Beziehung zu Alban Berg, mit dessen Oper "Wozzeck" er 1924 bekannt geworden war, zu einem musikalischen "Aufbaustudium" an dessen Wirkungsstätte (ab Januar 1925). Auch zu den beiden anderen Größen der Wiener Schule nahm er Tuchfühlung auf: zu Anton von Webern und Arnold Schönberg. Vor allem Schönbergs revolutionäre Atonalität regte den 22-Jährigen zu philosophischen Betrachtungen über die "Neue Musik" an, die bei deren Protagonisten allerdings nicht verfingen. Diese Enttäuschung brachte es mit sich, dass er nach und nach seine Ambitionen in Sachen Musikkritik zugunsten einer Laufbahn als akademischer Lehrer und Sozialforscher zurückschraubte. (Von 1928 bis 1931 war er zumindest noch leitender Redakteur der Avantgarde-Zeitschrift "Anbruch ".) Ohnehin war für seine Konzert- und Opernbesprechungen von früh an der philosophische Anspruch charakteristisch. - Außerdem stand die Wiener Zeit unter dem Eindruck von Karl Kraus, dessen Vorlesungen er zusammen mit Alban Berg besuchte, und von Georg Lukács, dessen "Theorie des Romans" bereits den Abiturienten begeistert hatte.
Buch-Tipp: Gesammelte Schriften: Philosophie der neuen Musik.: Bd 12 Hoch interessant aber auch höchst problematisch Es lohnt sich unbedingt dieses Buch zu lesen. Was Adorno über Schönberg und Strawinsky, aber auch so nebenher über viele andere Komponisten schreibt, ist stets hoch interessant und ungemein anregend, man mag ihm in der Sache zustimmen oder nicht. Das paradoxe dabei ist oft, dass er gerade auch über... |
Mittlere Frankfurter Jahre (1926-33) | |
Zurück aus Wien, blieb Adorno zunächst ein weiterer Misserfolg nicht erspart: Eine umfangreiche philosophisch-psychologische Abhandlung, gegen die der Doktorvater Hans Cornelius und auch dessen Assistent Max Horkheimer Bedenken hatten, zog er daraufhin Anfang 1928 als Habilitationsschrift zurück. Erst drei Jahre später sollte er die (1933 dann wieder entzogene) "Venia legendi " mit dem Manuskript "Kierkegaard - Konstruktion des Ästhetischen" erhalten, das er bei Paul Tillich einreichte. Seine Antrittsvorlesung als Privatdozent (Mai 1931) handelte von der "Aktualität der Philosophie"; sie galt ihm zeitlebens als programmatisch. Er stellte darin erstmals ausdrücklich den Begriff der Totalität in Frage, was auf seine berühmt gewordene -gegen Hegel gewendete- Formel "Das Ganze ist das Unwahre" (aus den "Minima Moralia ") vorausdeutete. Zu seinen ersten Lehrveranstaltungen gehörte dann ein Seminar über Benjamins Abhandlung "Ursprung des deutschen Trauerspiels". 1932 war der Aufsatz "Zur gesellschaftlichen Lage der Musik" sein Beitrag zu dem ersten Heft der "Zeitschrift für Sozialforschung ", die Horkheimer herausgab; in dessen "Institut" sollte er jedoch erst 1938 eintreten.
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Pendler zwischen Berlin und Oxford (1934-37) | |
Seit den späten Zwanziger Jahren schon hatte Adorno während mehrerer Berlin-Aufenthalte außer zu Benjamin engeren Kontakt zu Ernst Bloch gepflegt, dessen erstes Hauptwerk "Geist der Utopie" er bereits 1921 kennengelernt hatte, und später heftig kritisierte. Noch anziehender war ihm die deutsche Hauptstadt wegen der promovierten Chemikerin Margarete ("Gretel") Karplus (1902-1993) geworden, die er 1937 in London heiraten sollte. 1934 emigrierte er nach England, um sich in Oxford nochmals zu habilitieren [und wohl vor allem um vor den Nazis aus Deutschland zu fliehen...]. Dazu kam es zwar nicht mehr, aber als Postgraduierter betrieb er erstmals ein eingehendes Studium der Philosophie Hegels. Außerdem ließ er es sich nicht nehmen, die Sommerferien Jahr für Jahr bei seiner Verlobten in Deutschland zu verbringen. 1936 erschien in der "Zeitschrift" einer seiner umstrittensten Arbeiten überhaupt: "Über Jazz". Es handelte sich dabei jedoch weniger um eine Auseinandersetzung mit dieser besonderen Musikrichtung als um eine erste grundsätzliche Polemik gegen die gerade aufkommende Unterhaltungs- und Kulturindustrie. Der in dieser Zeit intensive briefliche Kontakt mit dem in dem amerikanischen Exil lebenden Horkheimer mündete in dessen Angebot einer existenzsichernden wissenschaftlichen Tätigkeit jenseits des Atlantiks.
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Emigrant in den Vereinigte Staaten Amerika (1938-49) | |
Nach einem ersten New-York-Besuch 1937 entschloss er sich zur Übersiedlung. In Brüssel nahm er Abschied von den Eltern, die 1939 nachkamen, und in San Remo von Walter Benjamin, der in Europa zurückblieb, mit dem der Gedankenaustausch anschließend jedoch in brieflicher Form kulminierte. Kurz nach der Ankunft in New York nahm ihn Horkheimers "Institut" als offizielles Mitglied auf. Die erste Arbeit bestand in der Leitung eines Hörfunk-Forschungsunternehmens (Radio Research Project) zusammen mit dem österreichischen Soziologen Paul Lazarsfeld . Schon bald verlagerte sich die Aufmerksamkeit jedoch auf die direkte Zusammenarbeit mit Horkheimer, die 1941 mit dem gemeinsamen Umzug nach Los Angeles zu dem Ausdruck kam und 1944 zur ersten Fassung der Essaysammlung "Dialektik der Aufklärung" führte, des Hauptwerks der Kritischen Theorie. Sozusagen den gleichzeitigen Holocaust vor Augen, beginnt die Schrift mit den Worten:
- Seit je hat Aufklärung in dem umfassendsten Sinn fortschreitenden Denkens die Absicht verfolgt, von den Menschen die Furcht zu nehmen und sie als Herren einzusetzen. Aber die vollends aufgeklärte Erde strahlt in dem Zeichen triumphalen Unheils.
Ab 1945 betätigte er sich nicht mehr als Komponist. Damit entsprach er auf eigene Weise seinem so harten wie berühmten Wort: "Nach Auschwitz noch ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch." In Sachen Musik erhielt er indessen den ehrenvollen Auftrag von Thomas Mann, ihn bei seinem Roman über "das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn" ("Doktor Faustus") fachlich zu beraten. Außerdem arbeitete er in den 40er Jahren an seiner "Philosophie der neuen Musik " und zusammen mit Hanns Eisler an dessen "Komposition für den Film". Nicht unerwähnt bleiben darf schließlich die von mehreren Forschungsinstituten durchgeführte Behandlung des -vor allem antisemitischen- Vorurteils ("Studies in Prejudice"), die unter anderem durch indirekte Fragen (F-Skala ) an die Versuchspersonen deren "autoritären Charakter" aufdeckte. Adornos Beitrag bestand in "qualitativen Interpretationen".
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Späte Frankfurter Jahre (1949-69) | |
Nach dem Krieg zögerte der von Heimweh Geplagte die Rückkehr nach Deutschland nicht allzu lange hinaus. In Frankfurt bot sich ihm dank Horkheimers Einfluss die Möglichkeit einer außerplanmäßigen Professur, die er 1949/50 wahrnahm und womit sich nach langer Unterbrechung eine akademische Laufbahn fortsetzte, die 1956/57 in der Stellung als zweifacher Ordinarius (Philosophie und Soziologie) gipfelte. In dem der Universität angeschlossenen Institut wurde Adornos Führungsposition stets eindeutiger, da sich der acht Jahre ältere Horkheimer mehr und mehr zurückzog und dem Jüngeren schließlich 1958/59 das alleinige Direktorat überließ. Zu einem höheren Bekanntheitsgrad in dem Nachkriegsdeutschland trug zunächst die Aphorismensammlung "Minima Moralia " bei, die 1951 im soeben gegründeten Verlag von Peter Suhrkamp veröffentlicht wurde und die "traurige Wissenschaft" ausführte, die unter dem Eindruck der "drei Höllen: Faschismus, Stalinismus und Kulturindustrie" (Rüdiger Safranski) keine Alternative mehr zuzulassen schien: "Es gibt kein richtiges Leben in dem falschen." Trotz dieses pessimistischen Befunds war das Pensum enorm, das Adorno sich auflud und zu einer herausragenden intellektuellen Gründergestalt der westdeutschen Republik werden ließ, nach dem 1953 ein letzter Versuch, ihn längerfristig an Forschungsvorhaben in den Vereinigte Staaten Amerika zu binden, gescheitert war.
Hier eine Auflistung seiner vielseitigen Engagements:
- 1952 Beteiligung an einem "Gruppenexperiment" (Darmstädter "Gemeindestudien"), das nationalsozialistische Restbestände bei den demokratisierten Deutschen offenlegte (kritisch kommentiert von Peter R. Hofstätter )
- Ab 1954 musikwissenschaftliche Lehrtätigkeit bei den Sommerakademien in Kranichstein
- Zahlreiche Rundfunkgespräche (u.a. mit Ernst Bloch, Elias Canetti und Arnold Gehlen)
- Zahlreiche Vorträge in Berlin und in dem europäischen Ausland (Paris, Wien, Italien, 1959 auf der Kasseler "documenta", 1968 in der Tschechoslowakei)
- Herausgabe der Schriften und Briefe Walter Benjamins
- 1961 Anstiftung des "Positivismusstreits" auf einer Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Tübingen
- Ab 1963 Amtspflichten als Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
- 1964 Leitung des 15. Soziologentags über "Max Weber und die Soziologie heute"
- 1968 Leitung des 16. Soziologentags zur Frage "Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft?"
"Nebenbei" verfasste er eine Fülle eigener Schriften (in Klammern die Bandnummern der zwanzigbändigen Suhrkamp-Ausgabe von 1970 bis 1986):
- Zur Metakritik der Erkenntnistheorie (Bd. 5)
- Negative Dialektik und Jargon der Eigentlichkeit (Bd. 6)
- Ästhetische Theorie (Bd. 7)
- Soziologische Schriften (Bd. 8/9)
- Kulturkritik und Gesellschaft (Bd. 10)
- Noten zur Literatur (Bd. 11)
- Musikalische Monographien (Bd. 13)
- Einleitung in die Musiksoziologie und Dissonanzen (Bd. 14)
- Musikalische Schriften (Bd. 16/17/18/19)
- Vermischte Schriften (Bd. 20)
- Nachgelassene Schriften
- Beethoven. Philosophie der Musik
- Zu einer Theorie der musikalischen Reproduktion
Darüber hinaus sind seine Vorlesungen, Briefe und Kompositionen überliefert.
Buch-Tipp: Minima Moralia. Jubiläumsausgabe. Reflexionen aus dem beschädigten Leben Ein sehr persönliches Buch. Man soll das Buch unvoreingenommen lesen. Vor allem so lesen als würde der Autor recht haben. Erst danach kommt die Kritik, wenn möglich eine konstruktive. Erst dann kann man sagen, ob die Lektüre gelohnt oder nicht hat oder ob man etwas daraus gelernt hat.
Adorno analysiert das Leben und stellt dem Leben moralische,... |
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1966 kam es gegen die Große Koalition von CDU/CSU und SPD zur Bildung einer "Außerparlamentarischen Opposition (APO)", die vor allem gegen die von der neuen Regierung geplanten Notstandsgesetze zu Felde zog. Auch Adorno gehörte zu den Kritikern dieser Politik (1968 Teilnahme an Veranstaltung des Aktionskomitees "Demokratie in dem Notstand"). Als am 2.06 1967 bei einer Berliner Demonstration gegen den Schah-Besuch der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen wurde, begann sich die linksgerichtete APO zu radikalisieren, und vor allem an den Universitäten probte man den Aufstand. Es waren nicht zuletzt Schüler Adornos, die den Geist der Revolte repräsentierten und derart "praktische" Konsequenzen aus der "Kritischen Theorie" zogen. Die Köpfe der Frankfurter Schule waren jedoch bei aller Sympathie nicht bereit, den Aktivismus zu unterstützen. So wurde gerade auch Adorno zur Absichtscheibe studentischer Aktionen. Umgekehrt sah er sich Vorwürfen von rechts ausgesetzt, zu den geistigen Urhebern linker Gewalt zu gehören. 1969 nahmen die Störungen in dem Hörsaal in einem Maße zu, dass Adorno seine Vorlesung einstellte. In dem Januar hatte er den Versuch, das Institut zu besetzen, polizeilich unterbinden lassen.
Über die letzten Tage des "mit dem Rücken zur Wand" Stehenden heißt es in der 2003 erschienenen Adorno-Biographie von (Stefan Müller-Doohm).
- Den Zustand, im sich Adorno in dem Frühsommer 1969 befand, genannte er selbst als desolat. Ohnehin schon extrem erschöpft, tat er mehr, als er verkraften konnte. Zu der üblichen "totalen Überarbeitung" kam die nicht enden wollende Qual sich in dem Kreise drehender Diskussionen und Auseinandersetzungen mit den radikalen Studenten, die sich ihn, die Koryphäe der Kritischen Theorie, nicht zuletzt aus Gründen der Medienwirksamkeit ausgesucht hatten. Adorno musste nicht ca. Feindseligkeit und offenen Hass über sich ergehen lassen, wobei er überzeugt war, dass sie sich gegen ihn als Theoretiker richteten. Vielmehr verfolgte ihn auch der Alptraum, dass die politische Gesamtsituation von heute und morgen in Totalitarismus umschlagen könne. In seinem letzten, zunächst handschriftlich verfassten Brief, den er am 26. Juli an [Herbert] Marcuse schrieb, dessen maschinenschriftliche Fassung diesen jedoch erst am 6. August erreichte, sprach er von sich selbst als "einem schwer ramponierten Teddie".
- In dieser desolaten Verfassung fuhren Adorno und seine Frau in die Schweiz, wo er bei ausgedehnten Spaziergängen immer den Ausgleich zu finden pflegte, dessen er nun mehr denn je bedurfte. Am Dienstag, dem 22. Juli, fuhr das Ehepaar in Richtung Zermatt, um in dem Hotel "Bristol" die Ferienwochen zu verbringen. Wenige Tage nach der Ankunft in dem bekannten, 1600 Meter hoch gelegenen Schweizer Urlaubsort in dem Kanton Wallis am Fuße des Matterhorn unternahm Adorno am 5. August mit Gretel, trotz eindringlicher Ermahnungen seines Hausarztes und Herzspezialisten Doktor Sprado, alle körperlichen Anstrengungen zu vermeiden, einen Ausflug auf einen 3 Tausend Meter hoch gelegenen Gipfel, der mit der Seilbahn erreichbar war. Auf der Höhe setzten erstmals Herzbeschwerden ein, die ihn zur Rückkehr in den Ort zwangen. Noch am selben Tag fuhren sie dann in die talwärts gelegene, etwa 30 km entfernte Stadt Visp. Adornos Bergstiefel hatten ein Loch, das er reparieren lassen wollte. In dem Schuhladen stellten sich erneut Herzbeschwerden ein. Aus diesem Grund wurde er zur Sicherheit in die Klinik der Kleinstadt gebracht. Gretel Adorno fuhr gegen Abend zurück in das Hotel. Als sie am nächsten Tag, am 6. August, ihren Mann in dem Krankenhaus St. Maria mit Lesestoff versorgen wollte, musste sie miterleben, wie er am Vormittag gegen 11.20 Uhr plötzlich einem Herzinfarkt erlag. Er wäre am 11. September 66 Jahre alt geworden.
Buch-Tipp: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben Ein sehr persönliches Buch. Man soll das Buch unvoreingenommen lesen. Vor allem so lesen als würde der Autor recht haben. Erst danach kommt die Kritik, wenn möglich eine konstruktive. Erst dann kann man sagen, ob die Lektüre gelohnt oder nicht hat oder ob man etwas daraus gelernt hat.
Adorno analysiert das Leben und stellt dem Leben moralische,... |
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Die Frage der Aktualität einer Theorie, die sich massiv auf die Gesellschaftsverhältnisse ihrer Zeit bezieht, ist eine schwierige. Zumal wurde diese Theorie nachdem Tod ihrer Hauptakteure ca. noch langsam und vor allem in andere Richtungen weiterentwickelt. Dennoch kann man die Aktualität konstatieren, obwohl sich die Gesellschaft massiv weiterentwickelt hat. Sie hat sich nämlich in die Extreme entwickelt, die Adorno in seinen Texten beschrieb. Vor allem Adornos Thesen zu Themen der Vergangenheit (Auschwitz), Moral (ein zeitloses Thema) oder zur Kulturindustrie sind Beispiele dafür. Letztere hat sich ja seit Adornos Tod immerhin dem Anschein nach viel mehr zum entwickelt, was Adorno schon damals in dem Kleinen erkannte.
Darzustellen ist auch die Frage nach einer Kritik an der Theorie Adornos. Selbstverständlich, so wie in beinahe jeder Wissenschaft, vor allem in einer so abstrakten wie der Sozialphilosophie, gibt es nicht ca. Befürworter dieser Theorie. Es wäre auch nicht in dem Sinne Adornos, etwas in den Raum zu stellen, ohne den Gegenargumenten ebenso Raum zu lassen, denn es ist anzunehmen, dass das in sich ja schon auf die Methode des dialektischen Materialismus und der Hegelschen Dialektik fundierte Werk Adornos auch mit diesen Methoden weiter zu entwickeln ist.
Die Kritik an Adornos Arbeit kommt meist ebenso wie die Kritische Theorie selbst von Marxisten. Andere Kritiker sind etwa Ralf Dahrendorf oder Karl Raimund Popper und die Positivisten. Die Marxisten werfen den kritischen Theoretikern vor, den Anspruch zu stellen, "das Erbe der von Hegel über Marx verlaufenden Tradition kritischer Philosophie" zu vertreten, ohne sich dem Marxschen Praxiskonzept verpflichtet zu fühlen.
Nach Horst Müllers "Kritik der Kritischen Theorie" stellt Adorno in vielen Aspekten, in denen er über die Totalität schreibt, diese schon als automatisches System dar. Das scheint in der Tat das Ziel Adornos gewesen zu sein, der in der Gesellschaft ein sich selbst regulierendes System sah, aus dem es zu flüchten galt. Es war für ihn existent, aber nicht menschenwürdig, während Müller entschieden bestreitet, dass ein solches System besteht; vielmehr seien ca. Einzelfälle derart verblendet.
Müller stellt in seiner Argumentation darauf ab, dass die Kritische Theorie kein praktisches Mittel biete, die Gesellschaft zu verändern. So kommt er zum Schluss, dass vor allem Jürgen Habermas, aber auch die anderen Vertreter der Frankfurter Schule Marx verfälscht hätten.
Buch-Tipp: Studien zum autoritären Charakter. Theodor W. Adorno: Studien zu dem autoritaeren Charakter 23. 2. 2007: Erneut ertrinken Fluchtlinge vor Lampedusa. Erneut wird
dieser Missstand von der Politik und der Presse ignoriert. Auf der
einen Seite leidet Deutschland und Italien an der abnehmenden Anzahl
junger Menschen, auf der anderen Seite laesst man gut ausgebildete
Jugendliche, die viel... |
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